XAML ist mehr als nur ein Vektorformat

Auf der XTOPIA kam ich öfter mit Designern ins Gespräch, klasse Sache!

Doch da kam immer wieder das folgende Missverständnis auf, das mich zu folgendem fiktiven Dialog zwischen Watson und Sherlock Holmes inspirierte.

"Well, Watson, what are you thinking about XAML?"

"XAML is a language for describing vector graphic shapes" (zu deutsch oft gehört: ein Vektorbeschreibungsformat).

"I admit that this covers partly the truth, but I am afraid, my dear Watson, that I must correct this extensively."

"What do you mean, Holmes?"

"Well, my dear fellow, I fear your deductions have not been so happy as I should have wished."

"You mean that was mistaken."

"Just a little that way, I fear. Let us take the points in their order: XAML is an eXtensible Markup Language for Applications."

"Holmes! How could you possibly know that?"

Wenn man die Abkürzung nicht abkürzt und übersetzt kommt man relativ schnell darauf, dass XAML nicht dort aufhört, wo man eine GUI beschreibt und erst recht nicht nur dazu dient, den Expression Blend mit dem im Expression Designer erzeugten Vektorgrafiken zu versorgen. Mit dem Zukunftsblick nach dem Komponentenmonsterchen „Akropolis“ wird das spätestens überdeutlich, doch dazu in einem anderen Blog-Eintrag mehr.

"Dear me! How very clever!"

"Thank you. But go on, Watson, go on! It 's a very superficial trick, and no doubt you will soon acquire it.""

In XAML kann man eine gesamte Anwendung definieren, was für Browser-Anwendungen ein definitives Muss ist. Sicherlich sind die Möglichkeiten ein komplexes Regelsystem in einer pur XAML Anwendungen abzubilden eingeschränkt. Doch lassen sich komplette Maskenfolgen mit Datenanbindung und Datenänderungen ohne ein einziges Stückchen Code-Behind erzeugen. Diese Möglichkeiten mit einer einheitlichen offenen Beschreibungssprache zu arbeiten gehen weit über das hinweg, was in der Flash Welt üblich ist - ich behaupte nicht, dass in der Flash Welt nicht die technischen Möglichkeiten gegeben sind: sie werden nur wenig genutzt (die Gründe dafür sind nicht mein Thema - wirklich nicht!). Aber vielleicht erklärt diese Tatsache das Aufkommen dieses Missverständnisses.

Wir nutzen diese Fähigkeit der Anwendungsdefinition durch XAML in unseren Projekten weitgehend. So entstehen alle Testclients für die Businesslogik ohne ein einziges Stückchen Code-Behind - also ohne C#. Und diese XAML Testclients werden von Entwicklern geschrieben, nicht von Designern. Denn es geht bei diesen um die weiteren Testmöglichkeiten der Businesslogik, die durch Unit Tests nicht abzufangen sind.

XAML stoppt nicht bei der Übergabe vom Designer an den Developer, sondern geht vom Grafiker über den Designer zum Developer. Und auch genauso zurück - Round Trips in einer Form, die vorher nur umständlich möglich war. Das wirklich schöne jedoch - und das versteht inzwischen fast jeder - ist die Möglichkeit, XAML in beliebigen Werkzeugen zu erzeugen und dann in Anwendungen zu verwenden. Neben der von mir regelmäßig aktualisierten Tool-Liste gibt es noch eine Vielzahl von Werkzeugen, die einen XAML Ex- und Import erlauben. Meines Wissens gehört Adobe inzwischen auch auf die Liste. Ich bin neugierig, wann Adobe so weit ist, einen XAML Editor rauszubringen. Möglich wäre es, denn XAML muss man nicht lizensieren, jeder darf das verwenden.

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